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Methoden der Ausbildung 1
Methoden der Ausbildung 2
Methoden der Ausbildung 3
Methoden der Ausbildung 5
Die Auswahl des Auszubildenden
Der Ausbilder als Mitarbeiter- entwickler
Der Ausbilder als Konflikt- moderator
Der Ausbilder als Problemlöser
Der Ausbilder - mehr als nur 'Lehrer'
Mehr Zeit für die Ausbildung
Wie wähle ich den 'richtigen' Auszubildenden
Literatur- empfehlungen
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Der Ausbilder als Teamentwickler
von Stephan Möller
Der Vorarbeiter Claußen hat in seiner Kolonne
neben den drei Gesellen noch zwei weitere Lehrlinge, einen im zweiten,
den anderen im dritten Ausbildungsjahr. Auf seine Kolonne ist Claußen
sehr stolz, und das mit recht. Alle arbeiten Hand in Hand, jeder unterstützt
jeden, das Klima ist hervorragend. Selbst sein Chef, ja sogar einige der
Kunden haben dies in der Vergangenheit bemerkt.
Doch seit einigen Tagen plagt den Vorarbeiter Claußen
ein Problem: das Klima in seiner Kolonne wird zusehends schlechter, jedes
Mitglied ist mehr und mehr auf seinen eigenen Vorteil bedacht und Claußen
befürchtet, sein tolles Team könnte auseinander brechen. Hinzu
kommt, daß seit zwei Wochen ein neuer Mitarbeiter die Kolonne des
Vorarbeiter Claußen ergänzt. Der "Neue" ist ein langjähriger
Bekannter des Firmeninhabers und schon seit einigen Jahren im Garten-
und Landschaftsbau bei der Nachbarfirma tätig. Vorarbeiter Claußen
fragt sich, was passiert sein kann, daß sein Team sich auf einmal
derart zum schlechten gewandelt hat. Er ist ratlos.
Solche Entwicklungen in einem Team machen eines besonders
deutlich: Es gibt nichts schöneres aber auch nichts schwierigeres
als Teamarbeit.
WAS IST EIN TEAM?
Teams werden in der Regel dann gebildet, wenn eine bestimmte
Aufgabe erledigt werden muß, die eine Zusammenarbeit von Spezialisten
aus verschiedenen Wissensgebieten verlangt. bzw. wenn eine homogene Arbeitsgruppe
über einen längeren Zeitraum Probleme und Aufgaben gemeinschaftlich
angeht.
Jeder kann mit jedem in persönlichen Kontakt treten,
es herrschen nach einiger Zeit gemeinsame Normen - es entsteht ein Wir-Gefühl
- und die einzelnen Mitglieder nehmen unterschiedliche Rollen und damit
verschiedenartige Funktionen im Team wahr.
Die Schwierigkeit dabei ist, auftretende Probleme entsprechend
zu erkennen, zu bewerten, zuzuordnen und zu lösen.
Ein Team ist nicht
Toll, ein anderer macht's!
Wichtig ist, daß eine Gruppe noch kein Team darstellt! Vielmehr
wird ein Team durch spezifische Merkmale gekennzeichnet, die sich insbesondere
an dessen Leistungsfähigkeit und Effektivität messen lassen:
- geringe Anzahl von Personen mit einander ergänzenden Fähigkeiten
- Engagement aller Mitglieder für eine gemeinsame Sache, gemeinsame
Ziele und einem gemeinsamen Arbeitsansatz
- Gefühl der gegenseitigen Verantwortung und gegenseitiger Respekt
im Umgang miteinander
- Gefühle zwischen den Mitgliedern
- offene Information, Problemerörterung, Konfliktlösung
Bei der Bildung eines Teams durchläuft die Gruppe
mehrere Phasen:
1. Testphase
2. Nahkampfphase
3. Organisierungsphase
4. Verschmelzungsphase
Dabei sind die in der Teamentwicklungsuhr dargestellten
Merkmale wesentliche Kennzeichen des Miteinanders und der Arbeitsweise
im Team.

Die Teamentwicklungsuhr (nach Francis und Young)
VORTEILE VON TEAMARBEIT:
- Synergieeffekt ("2+2=5")
- Miteinander
- Konflikte besser lösen
- sich gegenseitig stützen können
- Abbau von Betriebsblindheit
- viele Lösungsansätze, Ideenreichtum
- Kombination guter Erfahrungen und Vermeidung bekannter Fehler
- Verantwortung wird auf mehrere Schultern verteilt
- der Schwächere wird unterstützt
- alle Teammitglieder identifizieren sich mit Ziel und Ergebnis
- freie Meinungsäußerung
- keine Hierarchien
RISIKEN VON TEAMARBEIT
- Dominanz eines Teammitglieds
- höherer Zeitbedarf durch mehr Aussprache
- eine falsche personelle Zusammensetzung sprengt das gesamte Team
- Führungskraft/Vorgesetzter steht nicht hinter Teamarbeit
- Profilierungssüchte einzelner und Konkurrenzdenken
- "Vergewaltigung" der Teamschwachen
- durch Mißerfolg "schlechter Ruf"
- bei Auswahl der Teammitglieder wird zu wenig auf Stärken und
Schwächen geachtet
- Teammitglieder werden ins Team "befohlen" - damit = Prinzip
der Freiwilligkeit verletzt
Die größten Gefahren sind
- die Nivellierung der Leistung: der Stärkere paßt sich
eher dem Schwächeren an als umgekehrt und
- die Verantwortungsübernahme wird im Team anonymer.
ENTWICKLUNG VON "TEAMGEIST"
- aus der Problemstellung und der damit verbundenen Herausforderung
(funktioniert aber nur so lange, bis das Problem gelöst ist),
- Anerkennung (verbal u. finanziell),
- Konflikte offen ansprechen,
- gemeinsames Erleben und gemeinsame Aktivitäten innerhalb und
außerhalb des Unternehmens,
- Erfolgserlebnisse,
- gezielte Weiterbildung,
- äußeren Druck gemeinsam tragen.
Dabei stützt sich Teamgeist auf zwei Säulen:

MUSSBEDINGUNGEN ERFOLGREICHER TEAMARBEIT (CHECKLISTE)
- Bei Entscheidungen herrscht meist Übereinstimmung. Abweichende
Äußerungen werden ohne negative Konsequenzen aufgenommen.
- Die Gruppe kennt keine Herrscher; es gibt keine Machtkämpfe.
Jeder erkennt den anderen als gleichwertigen Partner an.
- Zuhören ist genauso wichtig wie reden.
- Alle Mitglieder nehmen am Gespräch teil und äußern
ziel- und aufgabenbezogen Beiträge.
- Das Arbeitsklima ist entspannt. Die Gruppenmitglieder diskutieren
und entscheiden nicht hierarchiebezogen.
- Meinungen sollen ständig herausgefordert und geäußert
werden - Schweigen bedeutet nicht Zustimmung
- Kritik fällt leicht und wird positiv aufgenommen, weil sie konstruktiv
ist und keine persönlichen Angriffe enthält.
- Störungen werden aufgegriffen und schnell beseitigt. Konflikte
werden nicht verschleiert, sondern aufgedeckt und diskutiert.
- Meinungsverschiedenheiten werden als Informationsquelle und nicht
als Störfaktor betrachtet.
- Innerhalb des Teams wird kritisiert, aber nicht getadelt.
- Es gibt keine Meinung oder Erfahrung, die nicht in Frage gestellt
werden dürfte.
- Lernbedarf wird jederzeit deutlich gemacht. Informationsgefälle
wird abgebaut, Wissen ständig mitgeteilt.
- Entscheidungen, Diskussions- und Arbeitsergebnisse werden laufend
festgehalten und durch Darstellungen sichtbar gemacht.
- Die Einhaltung der Spielregeln wird ständig zu beobachtet -
die Spielregeln werden, wenn nötig, neu diskutiert.
WIE DER VORGESETZTE TEAMARBEIT TODSICHER ZUM SCHEITERN BRINGEN KANN:
- Nenne die Gruppe ein Team, aber behandele ihre Mitglieder als Individuen.
Nichts behindert die Entwicklung einer Gruppenverantwortlichkeit verläßlicher
- Bleibe unklar in der Zuweisung von Autorität über die Gruppe
und innerhalb der Gruppe, denn dann entstehen Ängste, um Zusammenarbeit
zu verhindern
- Gib dem Team eine klare Aufgabe, aber verzichte darauf, für
die organisatorische Unterstützung zu sorgen.
"... Er benötigt keine großen Führungsqualitäten
und kein langes Training.Er muß einfach an seine Aufgaben und an
seine Leute glauben..."
David Rockefeller, Unternehmer
REGELN FÜR DIE BETREUUNG UND FÖRDERUNG VON TEAMS
- Machen Sie den Teammitgliedern klar, daß Sie ihre Hilfe brauchen!
- Rücken Sie die Teamleistung in den Vordergrund!
- Bauen Sie Selbstvertrauen im Team auf:
- Geben Sie Rückenstärkung!
- Ermuntern Sie, geben Sie positives Feedback!
- Optimieren Sie das Fähigkeitsniveau:
- Verschieben Sie Aufgaben und Rollen!
- Entwickeln Sie die Fähigkeiten der Mitglieder des Teams!
- Managen Sie Kontakte und Beziehungen des Teams zum Rest der Firma:
- Kommunizieren Sie nach außen!
- Räumen Sie Hindernisse aus dem Weg!
- Leisten Sie selbst aktive Arbeit im Team!
- Geben Sie niemals einzelnen Mitgliedern die Schuld
- Leugnen Sie niemals schlechte Teamleistungen
- Suchen Sie nicht nach Ausreden oder geben externen Einflüssen
die Schuld
- Setzen Sie sich für das Wohlergehen und die Leistung der Gruppe
ein!
"Ein Führer ist dann am besten, wenn die
Menschen kaum wissen, daß er existiert. Nicht so gut, wenn die Menschen
ihm bedingungslos gehorchen und ihm zujubeln.Am schlechtesten, wenn sie
ihn verachten... Von einem guten Führer, der wenig redet, wenn seine
Arbeit getan, sein Ziel erreicht ist, werden alle sagen: 'Wir haben es
selbst getan.'"
Laotse, chinesischer Philosoph
Der Vorgesetzte muß eine Balance finden zwischen einem hohen Maß
an eigener Initiative und völligen Rückzug. Dies ist einerseits
besonders schwierig, andererseits jedoch äußerst befriedigend,
wenn dadurch das gesteckte Ziel erreicht und das Vertrauen der Mitarbeiter
in den Vorgesetzten wächst.

Die Balance ist der Schlüssel zum Erfolg
In der Umsetzung dieser Regeln wird sich erweisen, ob der sprichwörtliche
"grüne Daumen" nicht nur für schöne Pflanzen
und Grünanlagen, sondern auch für das erfolgreiche Gedeien eines
leistungsfähigen Teams im Garten- und Landschaftsbau steht.
Erschienen in Ausbilder-INFO
Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau, Heft 3/1996
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