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Methoden der Ausbildung 1
Methoden der Ausbildung 2
Methoden der Ausbildung 3
Methoden der Ausbildung 5
Der Ausbilder als Teamentwickler
Der Ausbilder als Mitarbeiter- entwickler
Der Ausbilder als Konflikt- moderator
Der Ausbilder als Problemlöser
Der Ausbilder - mehr als nur 'Lehrer'
Mehr Zeit für die Ausbildung
Wie wähle ich den 'richtigen' Auszubildenden
Literatur- empfehlungen
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Die Auswahl des Auszubildenden
- Qual der Wahl oder das Gefühl, etwas Gutes
für die Zukunft des Unternehmens zu tun -
von Stephan Möller
Um es mit den Worten Ihres Vorsitzenden, Herrn Robert
Schwarz, auszudrücken: "In der richtigen Personalauswahl liegt
einer der entscheidenden Faktoren des modernen Personalmanagements. Ihr
Unternehmenserfolg wird entscheidend von ihren Mitarbeitern bestimmt."
Es ist eine der wichtigsten Aufgaben des Unternehmers,
zum richtigen Zeitpunkt die richtige Anzahl qualifizierter Mitarbeiter
bereitzustellen, um letztlich den Anforderungen des Kundens angemessen
gerecht zu werden. Hierbei kommt der Auswahl von Mitarbeitern im allgemeinen
und Auszubildenden im besonderen eine besondere Bedeutung zu. Trefft der
Unternehmer hier die falsche Wahl, so hat dies möglicherweise langfristige
Auswirkungen auf Qualität der Arbeit, Betriebsklima und Ansehen des
Unternehmens. Außerdem ist eine falsche Personalentscheidung ausgesprochen
teuer. Die Auswahl des Auszubildenden ist deshalb eine besondere Herausforderung,
da die Persönlichkeit des Auszubildenden noch nicht voll ausgeprägt
ist, auch Schulzeugnisse nur wenig Aufschluß über die Qualitäten
des Auszubildenden in Hinsicht auf seine Berufswahl gibt und viele Zufälle
und idealisierte Vorstellungen den Berufswunsch nachhaltig beeinflussen.
In den zurückliegenden Seminaren habe ich den Eindruck
gewonnen, daß viele Probleme der Mitarbeiterführung vermeidbar
gewesen wären, wenn bei der Personalauswahl Fehler vermieden worden
wären.
Um dem zukünftig vorzubeugen, sollen im folgenden
einige Anregungen für die richtige Personalauswahl gegeben werden.
1. SCHRITT: "AM ANFANG STAND DIE AUFGABE"
Zunächst sollten die Anforderungen an den Auszubildenden
wie Schulabschluß, Tätigkeitsschwerpunkte, persönliche
Eigenschaften, Alter, fachliche Voraussetzungen wie Praktika, Führerschein,
mathematische Kenntnisse etc., körperliche Verfassung und so weiter
vor dem Hintergrund der Aufgabenstellung definiert werden.
2. SCHRITT: "BEWERBUNGSUNTERLAGEN AUSWERTEN - TRENNEN DER SPREU VOM
WEIZEN"
Auf der Basis der vorher festgelegten Anforderungen an
den Auszubildenden und dessen zukünftigen Aufgaben werden die schriftlichen
Bewerbungen ausgewertet, Lebensläufe studiert und Zeugnisse interpretiert.
Ziel hierbei ist es, eine Vorauswahl zu treffen, um einer Flut von denkbaren
Vorstellungsgesprächen zu begegnen. Sollte die Vorauswahl länger
dauern, a) um Nachzüglern eine Chance zu geben oder b), weil im Tagesgeschäft
noch andere Themen wichtig sind, so sollte der Fairneß halber der
Bewerber über den Eingang der Bewerbungsunterlagen und die anstehende
Wartezeit informiert werden. Wir wissen alle, wie unangenehm anhaltende
Ungewißheit sein kann. Dies wird bei den Bewerbern nicht anders
sein.
3. SCHRITT: "DAS BEWERBUNGSGESPRÄCH - TAG DER OFFENBARUNG ODER
GEBEN UND NEHMEN AUF BEIDEN SEITEN?"
In dem Vorstellungsgespräch, welches möglichst
so vorbereitet sein sollte, daß alle relevanten Fragen an einem
Termin geklärt werden können, geht es darum, daß der Unternehmer
im persönlichen Kontakt Eindrücke über die Persönlichkeit,
die Kenntnisse und Fähigkeiten, Vorstellungen des Auszubildenden
über seine berufliche Tätigkeit und Entwicklung und über
dessen Motivation im unmittelbaren Kontakt erhalten kann. Dieses Gespräch
sollte aber nicht nur Nutzen für den Unternehmer, sondern auch für
den potentiellen neuen Mitarbeiter haben. Er weiß in der Regel nur
sehr wenig über die konkreten Aufgaben und über das Arbeitsumfeld.
Schaffen einer Atmosphäre des gegenseitigen Fairplays
Das Gespräch sollte darauf ausgerichtet sein, daß letztlich
beide, zukünftiger Chef genauso, wie zukünftiger Mitarbeiter,
einen Eindruck voneinander bekommen. Es sollte nicht nur Gelegenheit für
den Unternehmer sein, zu prüfen, inwieweit der Bewerber zu Aufgaben
und Unternehmen paßt, sondern auch Gelegenheit für den Bewerber
sein zu prüfen, inwieweit das Unternehmen zu den Vorstellungen des
Bewerbers paßt.
4. SCHRITT: "TAG DER ENTSCHEIDUNG - QUAL DER WAHL ODER DAS GEFÜHL,
ETWAS GUTES FÜR DIE ZUKUNFT DES UNTERNEHMENS ZU TUN"
Für die Auswertung des Gesprächs sollte sich
der Einstellende angemessen Zeit lassen. Je gründlicher die definierten
Anforderungen mit den Auswertungen der Bewerbungsunterlagen und den Eindrücken
des Vorstellungsgesprächs abgeglichen werden, desto geringer ist
die Gefahr einer personellen Fehlentscheidung.
Hang zum faulen Kompromiß oder sachlich begründbare Entscheidung?
Häufig habe ich in der Vergangenheit den Eindruck gewonnen, daß
diejenigen, die Personal einstellen wollen an dieser Stelle einen Hang
zum faulen Kompromiß entwickeln. Möglicherweise stellt an dieser
Stelle der Unternehmer fest, daß die Anforderungen von keinem der
Bewerber voll erfüllt werden. Hier stellt sich jetzt die alles entscheidende
Frage: Wen nehme ich dann? Das Dumme ist nur, daß es auf diese recht
simple Frage kein Patentrezept gibt. Die Frage ist: Kann ich auf die Erfüllung
eines Kriteriums verzichten oder mache ich wohl möglich Abstriche
an der falschen Stelle. Ich denke, daß ich gegebenenfalls eher bereits
sein sollte, die Suche nach dem geeigneten Mitarbeiter auszudehnen, anstatt
Abstriche bei den Anforderungen zu machen. Dies gilt erst recht dann,
wenn ich mir gründlich Gedanken über die Anforderungen gemacht
habe. Nur so kann ich vermeiden, daß ich nach einem halben Jahr
oder noch später eine auf einen faulen Kompromiß basierende
Personalentscheidung bereue.
Um vor einigen weiteren Fehlern zu schützen, sollte
der Unternehmer um einige wichtige Wahrnehmungs- und Beobachtungsfehler
wissen:
Jeder, der Mitarbeiter einstellt, hat eine große
Verantwortung gegenüber dem Bewerber, da er ein Urteil darüber
fällt, wie der weitere Lebensweg des Bewerbers weitergeht. Daher
ist eine sorgfältige Vorbereitung von großer Bedeutung. Dies
führt häufig verständlicherweise dazu, ein mildes Urteil
zu fällen.
Er hat jedoch auch dem Unternehmen gerecht zu werden,
daß einen geeigneten Mitarbeiter für eine bestimmte Position
sucht. Ob der geeignete Mitarbeiter für eine solche Position gefunden
wird, ist nicht Frage des persönlichen Gefallens dem Bewerber gegenüber,
sondern eine Frage der langfristigen Unternehmenssicherung. Darüber
hinaus sichern Sie auch die Position des künftigen Mitarbeiters,
da ein schlecht ausgewählter Bewerber für eine bestimmte Position
in seiner Funktion scheitern würde und dadurch schwerwiegende Folgen
für sich und das Unternehmen zu tragen hätte.
Auch aus dieser Sicht ist es daher bedeutsam, die Personalauswahl
sorgfältig zu machen. Daher sollte jeder Unternehmer darauf achten,
welches die zu erfüllenden Anforderungskriterien sind und weniger
darauf, was der Bewerber für einen gefühlsmäßigen
Eindruck bei ihm hinterläßt. Auch sollte der Bewerber nicht
im Vergleich zu den anderen gesehen werden, sondern für sich allein
betrachtet werden. Nur so hat der Bewerber die Chance, eine gerechte Beurteilung
am Ende zu erfahren. Außerdem kann so vermieden werden, den "Einäugigen
unter den Blinden" zu finden.
Als die häufigsten Beobachterfehler treten auf
- die zentrale Tendenz, d.h. die "verschobene" Wahrnehmung
extremer Ereignisse und entsprechende Einordnung in einer Mittelkategorie,
- die Neigung, zu milde und großzügig zu urteilen (z.B.
in der Persönlichkeitsbeurteilung, aus Mitleid oder falsch verstandener
Fürsorge etc.),
- Einflüsse der zeitlichen Abfolge (z.B. Festlegung von Beurteilungen
aufgrund "erste Eindrücke"),
- Halo-Effekte, d.h. eine Verzerrung von Urteilen aufgrund eines besonderen
Merkmals einer Person oder Situation oder des "Gesamteindrucks",
die für alle weiteren Urteile leitend sind,
- Schlußfolgerungen, die nicht sichtbares Verhalten repräsentieren.
- das "Ähnlichkeitsphänomen", d.h. der Beurteiler
kann Menschen besser beurteilen, die ihm ähnlich sind in Verhalten
oder Herkunft,
- der "Kontrasteffekt", d.h. die Beurteilung wird von den
Beobachtungen an anderen Teilnehmern beeinflußt. (auch "Bezugspersoneffekt").
"Wer nach allen Seiten offen ist, der ist nicht ganz dicht."
Auch die oft genannte gesellschaftspolitische Verantwortung kann dazu
beitragen, daß sich der Unternehmer wohl möglich für die
"besonders harte Nuß" oder den "besonders schwierigen
Fall" entscheidet. Dies ist selbstverständlich ehrenwert, sollte
jedoch klar und rational bedacht sein und nicht das Ergebnis falsch verstandener
Nächstenliebe sein. Die Verantwortung wächst erheblich mit einer
so begründeten Personalentscheidung, denn auch hier gilt: sollte
sich später die Erkenntnis einstellen, daß bei diesem Mitarbeiter
scheinbar unüberwindliche Schwierigkeiten auftreten, hat dies nicht
nur Folgen für das Unternehmen, sondern auch für die weitere
Entwicklung des Mitarbeiters.
All diese Hinweise oder Anforderungen ein eine gute Auswahl
des zukünftigen Auszubildenden sollten jedoch über eines nicht
hinweg täuschen: Es macht Spaß mitzuerleben, wie sich ein neuer
Mitarbeiter entwickelt.
Und letztendlich gilt: "Am Ende ist alles einfach,
aber wer es am Anfang schon glaubt, ist ein Depp!"
Erschienen in Ausbilder-INFO
Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau, Heft 3/1997
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